Anleitung
Du brauchst keine Vorerfahrung. Kreuzstich hat genau einen Stich, den du in fünf Minuten lernst. Alles andere ist Wiederholung, Ruhe und ein bisschen Geduld. Diese Anleitung führt dich der Reihe nach durch alles, von der ersten Nadel bis zum fertigen Bild.
Was in deinem Set liegt
Pack alles aus und leg es vor dir auf den Tisch. So hast du den Überblick und merkst sofort, falls etwas fehlt.
- Bedruckter Stoff. Dein Motiv ist bereits als Raster aus Symbolen aufgedruckt. Du musst nichts übertragen und nichts vorzeichnen.
- Symbolvorlage auf Papier. Dieselbe Vorlage noch einmal zum Danebenlegen, mit der Farbtabelle.
- Stickgarn, sortiert und nummeriert. Jede Farbe trägt eine Nummer, die zur Tabelle passt.
- Sticknadel. Stumpf an der Spitze, damit sie den Stoff nicht durchsticht, sondern durch die vorhandenen Löcher gleitet.
- Einfädler. Der dünne Metalldraht für mehrere Fäden durch das Nadelöhr.
- Kleine Schere. Kurze Klingen kommen näher an die Stiche heran als eine Haushaltsschere.
- Trennmesser. Damit trennst du einzelne Stiche wieder auf, falls du dich verzählt hast.
Was daraus entsteht
Ein Kreuzstichbild ist ein Raster. Jedes Kästchen deines Stoffes wird zu einem kleinen Kreuz in einer bestimmten Farbe. Aus der Nähe siehst du genau das: einzelne, saubere Kreuze nebeneinander. Erst wenn du ein paar Schritte zurücktrittst, setzen sich diese Kreuze im Auge zu einem Gesicht zusammen.
Das ist kein Mangel, sondern das Wesen der Technik, und es ist der Grund, warum ein gesticktes Portrait so besonders wirkt. Es ist kein gedrucktes Foto, sondern ein Bild aus tausenden einzelnen Handgriffen.
Und noch etwas: Das ist kein Projekt für einen Nachmittag. Es begleitet dich eine Weile, und genau das macht es aus. Du kannst jederzeit aufhören und Tage später weitermachen, ohne dass etwas verloren geht.
Wie viele Fäden du nimmst
Dein Stickgarn sieht aus wie ein Faden, besteht aber aus sechs feinen Einzelfäden, die lose zusammengedreht sind. Wie viele davon du benutzt, hängt vom Stoff ab.
Zieh die Einzelfäden vorsichtig heraus, einen nach dem anderen, und leg sie dann wieder nebeneinander. Wenn du alle sechs auf einmal nimmst, tragen die Stiche zu dick auf und der Stoff verzieht sich.
Den Faden vorbereiten
Schneid dir ein Stück Garn von etwa einer Unterarmlänge ab. Längere Fäden verknoten sich beim Sticken und werden mit der Zeit rau.
Zum Einfädeln nimmst du den beiliegenden Einfädler. Schieb den dünnen Draht durch das Nadelöhr, leg deine Fäden in die Drahtschlaufe und zieh den Einfädler wieder zurück. Die Fäden kommen mit durch.
Die richtige Farbe finden
Das ist der Schritt, vor dem die meisten am Anfang Respekt haben. Er ist aber einfacher, als er aussieht, weil du nie Farben vergleichen musst, sondern nur Nummern.
Solltest du dir bei einem Symbol unsicher sein, schau auf die Papiervorlage. Dort ist dasselbe Raster noch einmal größer abgebildet.
Der Kreuzstich
Jetzt der eigentliche Stich. Ein Kreuzstich besteht aus zwei schrägen Stichen, die sich kreuzen. Der erste heißt Grundstich, der zweite Deckstich.
Halt beim allerersten Stich das kurze Fadenende auf der Rückseite mit dem Finger fest und übersticke es mit den nächsten Stichen. Dann sitzt es von selbst.
Mehrere gleiche Farben nebeneinander
Wenn mehrere Kästchen derselben Farbe in einer Reihe liegen, musst du nicht jedes Kreuz einzeln fertig sticken. Es geht schneller und wird gleichmäßiger, wenn du in zwei Durchgängen arbeitest.
Immer dieselbe Stichrichtung
Das ist die wichtigste Regel im Kreuzstich und die einzige, die man leicht vergisst. Der obere der beiden Stiche muss im ganzen Bild in dieselbe Richtung zeigen.
Der Grund ist das Licht. Gestickte Fäden glänzen leicht, und wenn alle oberen Stiche parallel liegen, fällt das Licht gleichmäßig darauf. Liegen sie durcheinander, wirkt die Fläche unruhig, auch wenn alle Farben stimmen.
Wo du anfängst
Fang in der Mitte deines Motivs an und arbeite dich nach außen vor. Das klingt ungewohnt, hat aber einen guten Grund.
Wenn viele Farben durcheinander liegen
Bei einem Portrait kommt fast jede Farbe verstreut über die ganze Fläche vor, oft nur ein oder zwei Kästchen an einer Stelle. Wenn du jeden Faden einzeln vernähst und neu einfädelst, wirst du damit nicht glücklich. Die Lösung ist eine Technik, die erfahrene Stickerinnen für genau solche Motive nutzen. Sie heißt Parken.
Faden anfangen und beenden
Im Kreuzstich wird nicht geknotet. Knoten drücken sich mit der Zeit durch den Stoff und werden von vorn als kleine Beulen sichtbar.
Wenn es hakt
Ich habe mich verzählt
Passiert jedem und ist kein Drama. Zieh die falschen Stiche mit der stumpfen Nadel vorsichtig wieder auf. Sitzen sie zu fest, nimm das Trennmesser und führ es flach unter den Stich. Arbeite dabei von der Rückseite und zieh die losen Fadenreste anschließend mit der Nadel heraus.
Ein einzelner Stich hat die falsche Farbe
Liegt er mitten in einem Bereich mit vielen verschiedenen Farben, lass ihn einfach. Man sieht es nicht. Steht er allein in einer großen einfarbigen Fläche, lohnt sich das Auftrennen.
Der Faden verdreht sich ständig
Lass die Nadel alle paar Stiche einfach nach unten hängen. Der Faden dreht sich von selbst wieder auf.
Der Stoff wird wellig
Das ist normal und geht am Ende beim Bügeln wieder weg. Ein einfacher Stickrahmen aus Holz oder Kunststoff hält den Stoff während der Arbeit gespannt und macht das Sticken deutlich angenehmer. Er liegt deinem Set nicht bei, ist aber im Handel günstig zu bekommen und lohnt sich bei größeren Motiven.
Ich habe keine Lust mehr
Dann leg es weg. Ein Stickbild läuft nicht davon. Viele arbeiten über Monate daran, immer mal ein Abend. Es gibt keinen Zeitplan, den du einhalten musst.
Waschen, trocknen, rahmen
Waschen ist der wichtigste Schritt
Die Symbole auf deinem Stoff sind mit wasserlöslicher Farbe gedruckt. Sie sollen am Ende verschwinden, damit nur noch deine Stickerei zu sehen ist. Ohne diesen Schritt bleiben die Aufdrucke zwischen den Stichen sichtbar.
Leg die fertige Arbeit in lauwarmes Wasser von höchstens 30 Grad und lass sie mindestens drei Stunden darin liegen, bis der Aufdruck vollständig verschwunden ist. Nimm ruhig eine große Schüssel oder das Waschbecken, damit das Stück flach liegen kann. Spül es anschließend mit klarem Wasser nach.
Wasser allein reicht völlig. Reib nicht über die Stickerei und wring sie nicht aus. Wenn sich das Wasser leicht verfärbt, ist das der Aufdruck, der sich löst. Wechsel es einfach einmal.
Trocknen und bügeln
Drück das Wasser vorsichtig zwischen zwei Handtüchern heraus und lass die Stickerei flach liegend an einem luftigen Ort trocknen. Nicht aufhängen, sonst zieht sich der Stoff in die Länge.
Zum Bügeln legst du ein flauschiges Handtuch auf das Bügelbrett und deine Stickerei mit der Rückseite nach oben darauf. Bügel immer von hinten und mit Dampf, bis der Stoff wieder glatt ist. So werden die Stiche in das Handtuch gedrückt und bleiben plastisch, statt platt zu werden.
Rahmen
Am schönsten wirkt dein Bild in einem schlichten Holzrahmen. Wenn du Glas verwendest, achte auf etwas Abstand zwischen Glas und Stickerei, damit die Struktur der Stiche sichtbar bleibt.
Wir würden es gern sehen.
Wenn dein Bild fertig ist, freuen wir uns riesig über ein Foto. Schick es uns an info@faden-froh.de oder zeig es uns auf Instagram unter @fadenfroh_shop.